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Einige Elemente der Haltung in der Idiolektik

  1. Achtsamkeit
  2. Zieloffenheit & Absichtslosigkeit
  3. Paralogik
  4. Umgang mit Hypothesen
  5. Heitere Gelassenheit & Humor
  6. Gute Gründe

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist im gegenwärtigen Augenblick verweilende, nicht wertende Aufmerksamkeit. Wenn es uns gelingt, in dieser Weise mit einem Menschen präsent zu sein, werden wir nicht erleben, dass dieser nicht kooperationswillig ist. Mit achtsamer Aufmerksamkeit fällt es bedeutend leichter, die Schlüsselwörter zu hören und den Humor zu behalten. Achtsamkeit heißt auch, behutsam mit einem anderen Menschen umzugehen, seine Grenzen anzuerkennen und seine Talente zu würdigen.

 

Zieloffenheit & Absichtslosigkeit:

Unsere Gespräche verfolgen fast immer eine Absicht und ein Ziel. Gerade so, wie wir nicht gehen, ohne dabei ein Ziel zu verfolgen. Wir unterliegen und gehorchen dem Diktat der Effizienz. Wir tun ausschließlich Dinge, die „etwas bringen“. Können wir bei etwas nicht den Nutzen erkennen, ist es in unseren Augen vielfach wertlos. Wir sind gesamt gesellschaftlich gefährdet, das Leben auf einen Effizienzgedanken zu reduzieren und haben keine Vorstellung, was dabei verloren gehen könnte. Absichtslosigkeit und Zieloffenheit sind wichtige Eigenschaften, um kreativ denken zu können, und um für die Gesunderhaltung des eigenen Geistes zu sorgen. Es ist immer wieder atemberaubend, zu welchen Ergebnissen wir kommen, wenn wir keine Ziele mehr verfolgen. Es ist in gleicher Weise atemberaubend, wie beharrlich sich Ziele unserem Zugriff entziehen können, solange wir sie verfolgen.

Paralogik:
Idiolektische Gespräche suchen vielfach eine bildhafte Sprachebene auf. Diese Sprachebene weist möglicherweise keine erkennbaren Verknüpfungen zu wichtigen Themen- oder Problembereichen eines Menschen auf. Allerdings geschieht es beinahe unweigerlich, dass ein Mensch in zieloffener Haltung über die trivialsten Dinge befragt, relativ bald zu zentralen und wichtigen Themen gelangt. Der Umweg über die bildhafte Sprachebene bietet verschiedene Vorteile:

  1. Der Mensch hat die Möglichkeit, den Abstand zu relevanten Themen selber zu bestimmen.
  2. Der Mensch kann das Tempo, in dem er sich schwierigen Dingen annähert selber bestimmen.
  3. Damit bleibt der Mensch für sein Leben und seine Schwierigkeiten selber verantwortlich, behält die Kontrolle über die Situation und kann auf diese Weise notwendige oder mögliche Lösungen bedeutend passgenauer erfinden.

Es ist auch möglich, ein Gespräch auf der bildhaften, paralogischen Ebene zu belassen, ohne das Verknüpfungen oder Bezüge zu relevanten Themen offensichtlich werden. Das kann sinnvoll sein, damit der Verstand mit seiner oftmals hinterfragenden, kritischen und urteilenden Eigenschaft aus dem Spiel bleibt. Wenn Dinge in Bewegung geraten, dann in der Regel zunächst mal außerhalb des Zugriffs durch unseren Verstand.


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Umgang mit Hypothesen:

Wir produzieren ständig unsere Hypothesen und Beurteilungen, unter anderem um uns Orientierung zu verschaffen. In der Idiolektik ist die innere Haltung von einer Zurückhaltung im Umgang mit den eigenen Hypothesen und von einer Skepsis gegenüber den eigenen Hypothesen geprägt. Der zurückhaltende Umgang mit Hypothesen begründet sich in der Erfahrung, dass diese leicht irren, gleichzeitig jedoch sehr festlegend, vorausgreifend und dadurch hinderlich sein können. Die Haltung in der Idiolektik ist von der Überzeugung gekennzeichnet, dass ein Verstehensversuch dort aufhört, wo ich glaube, dass ich verstanden habe. Gleichzeitig ist es beinahe unmöglich, einen anderen Menschen in seinen vielfältigen Bedingtheiten zu verstehen. Zurückhaltung im Umgang mit Hypothesen ist die Bereitschaft, das eigene Verstehen als korrekturbedürftig anzuerkennen.

 

Heitere Gelassenheit & Humor:

Gelassenheit ist sehr wörtlich zu nehmen: es steckt Wörtchen „lassen“ darin im Sinne von „loslassen“, „zulassen“, „überlassen“ usw. Wir können mit jeder Ausatmung den Atem loslassen. Wenn wir es zulassen, dass unser Verstand hier von unserem Körper lernt, dann können wir von Gedanken loslassen, Hypothesen, Vermutungen, Urteile etc. loslassen. In gleichem Maße wird es uns gelingen, zu zulassen, was sich ereignet, ohne davor geängstigt zurück zu weichen. Wir können die Entwicklung von Lösungen wieder unserem Gegenüber überlassen und sind ihm/ihr so eine zumutbare Zumutung.

 

Die guten Gründe:

Die Idiolektik geht mit der Grundhaltung einher, dass Menschen ihre guten Gründe haben, sich in einer bestimmten Weise zu zeigen, zu verhalten oder auch (insbesondere bei psychosomatischen Erkrankungen) körperliche Symptome zu entwickeln. Das klingt sehr banal und ist im Alltag schwer zu beherzen. Dieses Merkmal stellt meine Kooperationsbereitschaft mit dem Patienten sicher, weil ich damit bereit bin, mich auf seine Sicht der Dinge einzulassen, von denen ich a priori annehme, dass sie aus seiner Sicht vollkommen stimmig, nützlich und richtig sind.

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