Idiolektik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

von Dr. med. Tilmann Rentel
 
Kinder und Jugendliche haben oft sehr feine Antennen dafür, wie man ihnen sprachlich begegnet. Hört man Ihnen genau zu, bleibt man auf ihrer Sprachebene, nimmt man ihre Themen, Begriffe und Äußerungen ernst und interessiert man sich dafür, indem man einfach und offen nachfragt, kann rasch eine vertrauensvolle Verbindung entstehen, die jeden weiteren Austausch erleichtert. Bleibt man hingegen in der Sprache der Erwachsenen oder gar der psychologischen Fachbegriffe bricht die Brücke zum Kind schnell ab oder entsteht gar nicht erst. Die Sprache der Kinder ist konkret und oft voller Bilder und spielerischer Metaphern. Eine solche noch wenig von intellektuellen Analysen überformte Sprache stellt eine natürliche Einladung für ein idiolektisches Gespräch dar. Kinder erzählen dann z.B. von ihrem Lieblingskuschelhasen (und was der mag und nicht mag), sie schildern wie man störrische Pferde mit liebevoller Zuwendung und Klarheit dazu bringt zu kooperieren, oder sie erklären einem die Vorteile des neuesten Videospiels.
 
So werden neben dem entstehenden Vertrauen und der Sicherheit, rasch wichtige Ressourcen aktualisiert und damit effektiv Grundvoraussetzungen für jede weitere therapeutische Arbeit geschaffen. Oft sind anwesende Eltern überrascht, wie viel ihr Kind erzählt und sind berührt von dem was sie erfahren.
 
Idiolektik stellt somit einen wertvollen Baustein in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ihren Familien dar, sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich.
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