Logopädie und Idiolektik

Cornelia Hochstrasser


Das Tätigkeitsfeld der Logopädie ist sehr vielseitig und somit auch die Diagnosen und die damit verbundenen Therapieformen und Möglichkeiten. Für die Arbeit mit allen Klienten, ob Kleinkind oder Erwachsener, ist die Haltung der Idiolektik eine grosse Hilfe. Menschen mit Sprachauffälligkeiten, entwickeln bedingt durch ihre Behinderung, ein intensives Gespür, ob ihre Umwelt sie so akzeptiert und ernst nimmt wie sie sind. Und genau das beinhaltet die idiolektische Haltung. Sie bildet auch das Fundament in den Gesprächen mit  Angehörigen.

Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen. Dank idiolektischen Gesprächen lernen sie ihre Wünsche und Ziele zu formulieren. Damit ist ein gutes Fundament zur Umsetzung geschaffen. Gemeinsam beschreiten wir dann den Weg. Auf diesem Weg gibt es immer wieder Haltestellen um aktuelle Ziele neu zu definieren. Die Logopädie ist für die Kinder hilfreich, fordert ihnen aber viel Arbeit ab. Was ich damit meine?

Dazu ein Beispiel: Ein Junge, 10 Jahre alt, leidet an Legasthenie. Seine Hobbys sind Fussball und mit Kollegen im Freien herumtoben. In der Schule mag er die Turnstunden und die Pausen. Er geht ungern zur Schule. Sein Alltag beinhaltet oft schlechte Noten und  Lehrkräfte, welche seine Arbeitshaltung bemängeln und sein auffälliges Benehmen während des Unterrichts beschimpfen. Anschliessend gibt es daheim riesige Probleme mit den Hausaufgaben.

Nun trete ich ins Leben... aber nur mit Zusatzarbeiten (!) ist eine Verbesserung möglich. Ich bleibe beim Bild der oben erwähnten Haltestellen. Die Idiolektik ist die Wanderkarte, welche uns von einem Ort zum nächsten führt und begleitet. Einerseits finden Gespräche gemeinsam mit der Mutter statt, anderseits zwischen dem Jungen und mir. Oft sind es nur Kurzgespräche. Dazu kommen Elterngespräche, welche immer mit idiolektischen Sequenzen bespickt sind. Bereits nach wenigen Wochen  marschieren wir flotter auf unserem Weg und heute, nach acht Monaten, sehe ich schon die Haltestelle, an der besagter Knabe mir zuwinken und  seinen Weg ohne mich weitermarschieren wird.

Abschliessend lässt sich sagen: Mit Hilfe der idiolektischen Gespräche wird im Kind die Freude an der Sprache geweckt. Es verbessert dadurch deutlich seine Fertigkeiten in Ausdruck und Wortschatz.
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